Lehrer entsetzt über Defizite deutscher Schüler

Lehrer entsetzt über Defizite deutscher Schüler

Ein Brandbrief von über 1100 hessischen Lehrern zeichnet ein alarmierendes Bild von der Situation in deutschen Schulen. Die Bildungsgewerkschaft GEW übergab die betreffende Resolution an das hessische Kultusministerium. In diesem Brandbrief beklagen die Lehrer, dass es an den grundlegenden Voraussetzungen mangelt, wie der Fähigkeit, sich über längere Zeit im Unterricht zu konzentrieren und stillzusitzen. Das Unterrichtsgeschehen wird durch diese Faktoren erheblich beeinflusst. Die Kinder können dem Unterricht nicht folgen, sind nicht mehr in der Lage, Fragen zu stellen und mitzudenken, geschweige denn aktiv am Unterricht teilzunehmen, und es fehlen sogar die notwendigen Deutschkenntnisse, um überhaupt zu verstehen, was der Lehrer sagt. Des Weiteren zeigen die Schüler große Defizite darin, mit Problemen und Herausforderungen umzugehen. So haben sie eine sehr geringe Frustrationstoleranz und sind leicht überfordert. Sie sind nicht in der Lage, mit sozialen Konflikten umzugehen, sich ordentlich zu behaupten und sich zu versöhnen. Das führt schlussendlich zu einem vermehrten Auftreten psychischer Störungen, hauptsächlich in Form von Angst. 

Diese Faktoren allein würden schon ein alarmierendes Problem darstellen. Doch die Lehrer beschreiben weiterhin Elemente, die eine gravierende Krise aufdecken. So sind die Schüler nicht einmal mehr in der Lage, ihre Stifte richtig zu halten und zu benutzen. Kleben und Schneiden bereiten ebenfalls große Schwierigkeiten und viele schaffen es nicht einmal, allein zur Toilette zu gehen. Hier mangelt es also an absolut grundlegenden Kompetenzen, die jeder Mensch in den ersten Jahren erlernt. Die Lehrer sehen sich also mit diesen Aspekten konfrontiert, und müssen dann selbst bei diesen grundlegendsten Dingen helfen, was ihnen die Kapazitäten nimmt, die Lerndefizite anzugehen, geschweige denn noch etwas tatsächlich beizubringen. Die Lehrer sind jetzt schon völlig überfordert und schaffen es von ihren Kapazitäten her gar nicht, dem gerecht zu werden. Schließlich sollen die Lehrer ja  Wissen vermitteln, das ist aber in vielen Fällen gar nicht mehr möglich. Diese Lehrer sind allein damit schon ganz eingenommen, das zu vermitteln, was die Kinder eigentlich seit Jahren können müssten, und für den Rest bleibt meistens weder Zeit noch Möglichkeit. Die Folge ist notwendigerweise eine Dysfunktionalität im ganzen System, weil dann auch in höheren Klassen Notwendigkeiten fehlen werden und so wesentliche Aspekte der Schulbildung nie ausgeprägt werden. Das sieht man jetzt schon an den katastrophalen Zahlen derer, die den MSA nicht bestehen. 

Das Bild, das die Lehrer hier zeichnen, stellt schon eine akute Krise dar. Doch es ist zu erwarten, dass diese Krise noch stärker anwächst. Aufgrund des Lehrermangels, des wachsenden Ausländeranteils in den Klassen und der fortschreitenden Abhängigkeit von technischen Geräten, besonders sozialen Medien, die ja erwiesenermaßen großen Einfluss auf die Fähigkeiten der Kinder haben. Es ist nun Zeit zu handeln, um diesem Problem habhaft zu werden. Wenn nicht jetzt großflächige Reformen des Bildungssystems erfolgen, werden in den nächsten Jahren die Institutionen zusammenbrechen, weil sie einfach nicht mehr mit den gravierenden Problemen umgehen können. Die Warnung der Lehrer zeigt, dass jetzt schon die Grenze des Haltbaren überschritten ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das ganze Bildungssystem vollkommen implodiert. Es bleibt zu hoffen, dass in Hessen und weiterhin in ganz Deutschland nun politisch angemessen auf die Forderungen der Lehrer eingegangen wird.